IX. Berner Psychotherapietage (16.-28. September 2000)
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Einladung

Brief psychological treatments for anxiety disorders
Psychodynamik und Behandlung der Borderline-Störungen
Psychodynamische Aspeke der Erstmanifestation psychischer Störungen – Adoleszenz und frühes Erwachsenenalter als Sollbruchstelle
Kognitive Kurzzeitintervention bei internistischen und gynäkologischen Erkrankungen
Verhaltensmedizinische Konzepte für die Behandlung von Schmerzen
Zur Struktur, Dynamik und Therapie narzisstischer (Persönlichkeits-)Störungen
Diagnostik und Therapie von somatoformen Störungen
MIPAS – ein neues verhaltensmedizinisches Patienten-Seminar-Programm für Ärzte und Psychologen
Verhaltenstherapeutische Gruppenprogramme bei der Behandlung der Insomnie
Die diagnostischen Fenster in der Familientherapie
Koevolutive Aspekte der Paartherapie
Kognitiv verhaltenstherapeutische Ansätze bei schizophren Erkrankten
 
 
 

Liebe Kollegin, lieber Kollege

Zu den IX. Berner Psychotherapietagen an den Universitären Psychiatrischen Diensten Bern dürfen wir Sie herzlich einladen. Psychotherapeutische Behandlungsverfahren in der Psychiatrie können sich nach unserem derzeitigen Erkenntnis- und Wissensstand nicht mehr ausschliesslich an einer bestimmten Therapiemethode orientieren. Für viele Patientinnen ist eine flexibel gestaltete Kombination bzw. Integration verschiedener empirisch begründbarer Vorgehensweisen erforderlich. Dieser angestrebten Integration wird im Rahmen der «Berner Psychotherapietage» durch praxisorientierte Seminare zu drei gegenwärtig bedeutsamen Psychotherapierichtungen Rechnung getragen: kognitiv verhaltenstherapeutische Methoden, psychoanalytische Verfahren, systemisch-familientherapeutische Ansätze. Die IX. Berner Psychotherapietage setzen dabei einen Schwerpunkt bei verhaltensmedizinischen Ansätzen. Jeweils zweitägige Seminare sollen den Teilnehmerlnnen Anregungen für ihre therapeutische Tätigkeit geben. Sie sind für Ärztinnen, Psychologlnnen und andere Berufsgruppen aus dem psychosozialen Bereich gedacht. Jedes Seminar kann unabhängig von der Teilnahme an anderen Seminaren besucht werden. Erstmalig wurde ins Programm ein Referate- und Postertag aufgenommen. International anerkannte Klinikerlnnen referieren an einem Vormittag zu einem bedeutsamen Therapieansatz. Zusätzlich haben die Teilnehmerlnnen am Nachmittag die Möglichkeit, eigene therapeutische Arbeiten als Poster zu präsentieren. Wir bitten interessierte Kolleginnen, Titel und Abstracts für Poster an einen der beiden Unterzeichnenden einzureichen. Die bereits bei den VI. Berner Psychotherapietagen eingeführte gestufte Tarifgestaltung, die sich u.a. an der Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen orientierte, wird auch bei der diesjährigen Veranstaltung beibehalten. Es sollte damit erreicht werden, dass prinzipiell alle Berufsgruppen des psychosozialen Bereichs die Möglichkeit haben, sich entsprechend informieren und Erfahrungen austauschen zu können. Die wiederum zahlreichen Anmeldungen auch aus den Berufsgruppen des Pflegepersonals und der Sozialarbeit bei den letzten Psychotherapietagen bestätigten uns darin, dieses Tarifkonzept nicht zu ändern. Es ist ein erklärtes Weiterbildungsziel der Berner Universitätspsychiatrie, die in der ärztlichen Psychotherapie in der Schweiz bisher vernachlässigte kognitiv-verhaltenstherapeutische Richtung nachdrücklich zu fördern. Diesem Ziel dient auch die enge Zusammenarbeit mit der «Akademie für Kognitive Verhaltenstherapie und Methodenintegration» (AKM) und der «Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation-Schweiz» (AVM-CH). Wir freuen uns deshalb über die stetig steigende Zahl ärztlicher Kolleginnen an den entsprechenden Seminaren. Wir danken allen direkt oder indirekt an der Organisation der Berner Psychotherapietage Beteiligten, insbesondere auch der Direktion Dienste und Betriebe der UPD Bern und deren Hotellerie sowie unserem Sekretariat für ihre hilfreiche Unterstützung. Wir wünschen Ihnen während der IX. Berner Psychotherapietage einen intensiven Wissens- und Erfahrungsaustausch mit nützlichen Denk- und Handlungsanstössen für Ihre Arbeit mit den Patientinnen.

Hans D. Brenner & Volker Roder

 
 

Brief psychological treatments for anxiety disorders

Isaac Marks

Recent advances have made it possible for most anxiety disorders to be treated successfully by behavioural and cognitive methods with fewer than 10 hours of patient contact with the clinician. Phobia/panic, obsessive-compulsive, and post-traumatic stress disorders have improved enduringly with followup in some series for 4 to 8 years. Increasing emphasis is now on teaching patients to self-treat and prevent relapse. The clinician no longer accompanies patients during exposure therapy. The efficacy of self-treatment has facilitated the development of effective computer-aided self-treatment for anxiety disorders. Participants will be able to roleplay the assessment and treatment of their patients who have an anxiety disorder.

Literatur
Marks I.M. (1996). Ängste. Springer-Verlag.

Termin
16.—17.09.2000

Zeit
9.00—17.00 Uhr

Hinweis
Prof. Marks, einer der Begründer von Verhaltenstherapie überhaupt, wird die Veranstaltung in englischer Sprache halten.
 
 
 

Psychodynamik und Behandlung der Borderline-Störungen

Stavros Mentzos

Beim Transfer des ursprünglich psychoanalytischen Konzeptes des Borderline in der Psychiatrie konnte zwar die zuvor geringe Reliabilität verbessert werden, dafür wurde jedoch die Psychodynamik vernachlässigt. Dennoch erst das Verständnis der letzteren ermöglicht bei diesen Störungen die adäquate Verarbeitung der stark emotionalen Gegenübertragung des Therapeuten, was eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Behandlung im ambulanten und stationären Bereich ist. Aber auch für eine sinnvolle Klassifikation der Borderline-Störungen ist die Psychodynamik zumindest genauso unabdingbar.
Mit Hilfe auch zahlreicher Beispiele soll diese Thematik seminaristisch dargestellt und diskutiert werden.

Termin
16.—17.09.2000

Zeit
11.00—18.00 Uhr (1. Tag)
9.00-16.00n Uhr (2. Tag)
 
 
 

Psychodynamische Aspeke der Erstmanifestation psychischer Störungen – Adoleszenz und frühes Erwachsenenalter als Sollbruchstelle

Matthias Elzer

Die Erstmanifestation von neurotischen, psychosomatischen und psychotischen Störungen geschieht überzufällig häufig in der 3. Lebensdekade. Bei Ausbruch einer erstmaligen manifesten psychischen Störung, die mit Symptombildung, ggf. Leidensdruck und erkennbarer Behandlungsindikation verbunden ist, lassen sich in der Regel tiefergehende intrapsychische und interpersonelle Konflikte erkennen.
Die psychoanalytische Theorie bietet dafür schlüssige Interpretationen; psychodynamisches und entwicklungspsychologisches Denken lassen uns häufig verstehen, warum ein Patient jetzt und nicht vor oder erst in 5 Jahren erkrankt.
Dabei spielt die Nähe zur Pubertät bzw. Adoleszenz mit der Notwendigkeit der Integration von triebhaften, objektgerichteten und riarzißtischen Konflikten eine zentrale Rolle. Dies gilt m.E. besonders für die Erstmanifestation von schizophrenen Störungen.
Das zweitägige Seminar soll folgendermaßen strukturiert werden:
1. unter Bezugnahme auf Autoren/innen wie Bohleber, Laufer/Laufer, Mentzos u.a. soll der theoretische Kontext hergestellt werden
2. sollen anhand von Patientenanamnesen insbesondere zum Aspekt der Erstmanifestation die unter Punkt 1 erstellten Hypothesen überprüft werden
3. sollen mögliche Konsequenzen für den psychotherapeutischen Umgang diskutiert werden. Das Seminar richtet sich an Teilnehmer/innen verschiedenster Berufsgruppen des psychosozialen Arbeitsbereichs. Ich bitte um aktive Teilnahme der Teilnehmer durch Fallvorstellungen, an denen das Seminar in Supervisionsform arbeiten kann. Es ist auch denkbar, die Vorstellung einer Kasuistik mit mir per email abzustimmen (m.elzer@t-online.de).

Termin
18.—19.09.2000

Zeit
9.00—17.00 Uhr
 
 
 

Kognitive Kurzzeitintervention bei internistischen und gynäkologischen Erkrankungen

Ulrike Ehlert

Psychodiagnostische Untersuchungen und psychotherapeutische Interventionen in der medizinischen Primärversorgung beziehen sich mehrheitlich auf internistische und gynäkologische Patientinnen. Diese Patientinnen lassen sich ätiologisch in zwei, für die psychotherapeutische Herangehensweise unterschiedliche Gruppen differenzieren: (a) Patientinnen mit einer somatischen Grunderkrankung in deren Folge psychische Beeinträchtigungen entstehen können (z.B. chronisch körperliche Erkrankungen wie Karzinome) und (b) Störungsbilder, bei denen eine psychische Mitbeteiligung bei der Krankheitsgenese nachgewiesen ist bzw. vermutet wird (z.B. chronische Unterbauchbeschwerden ohne Organkorrelat). Bei der ersten Gruppe orientiert sich die psychotherapeutische Intervention häufig am Verlauf Grunderkrankung und dient der Krankheitsbewältigung sowie der Verbesserung der Compliance für die medizinische Behandlung. Bei der zweiten Gruppe von Patientinnen kommt der Erarbeitung eines bio-psycho-sozialen Genesekonzeptes eine besondere Rolle zu. Nur Patienten, die eine Einsicht in den Zusammenhang zwischen psychischen und körperlichen Faktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung ihrer Beschwerden zeigen, sind bereit, entsprechende Einstellungs- und Verhaltensänderungen vorzunehmen. Für ausgewählte internistische und gynäkologische Erkrankungen sollen Modelle zur Entstehung und/oder Aufrechterhaltung aufgezeigt werden. Der Einfluss von akuten, chronischen oder traumatischen Stressoren wird besonders berücksichtigt. Weiterhin werden spezifische psychodiagnostische und psychobiologische Messinstrumente vorgestellt. Aus den ätiologischen Konzepten abgeleitet, werden kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren zur Kurzzeitintervention bei den entsprechenden Störungsbildern vorgestellt und anhand von Fallbeispielen erläutert.

Termin
18.—29.09.2000

Zeit
9.00—17.00 Uhr
 
 
 

Verhaltensmedizinische Konzepte für die Behandlung von Schmerzen

Wolfgang H.R. Miltner

Schmerzen zählen zu den wichtigsten Störungsbildern in der Verhaltensmedizin. Ihre Behandlung ist immer noch schwierig; konkurrierende Ansätze reichen von medikamentöser Therapie bis hin zu therapeutischen Angeboten aus dem Umfeld der Esotherik. Die Verhaltensmedizin hat sich bei der Behandlung von Schmerzen unter Benutzung von verhaltensmedizinischen Methoden einen wichtigen Stellenwert erarbeitet. Es gibt eine Reihe von Hinweisen, daß gerade bei chronischen Schmerzen verhaltensmedizinische Konzepte auf lange Sicht am erfolgreichsten sind.
Im Seminar sollen aufbauend auf eine Darlegung der wichtigsten Schmerzformen und ihrer Ursachen einige Methoden zur Behandlung chronischer Schmerzen aus dem Bereich der Verhaltensmedizin vorgestellt werden. Hierzu zählen Verfahren wie Entspannungsmethoden, Konkordanztherapie und Biofeedback.

Termin
20.—21.09.2000

Zeit
9.00-17.00 Uhr
 
 
 

Zur Struktur, Dynamik und Therapie narzisstischer (Persönlichkeits-)Störungen

Hermann Lang

Dass wir im «Zeitalter des Narzissmus» leben, bedeutet für den Psychotherapeuten, dass er kaum einem Patienten begegnet, der nicht in seinem Selbstwerterleben, d.h. «narzisstisch» gestört ist. Kondensiert findet sich diese Problematik in der «Narzisstischen Persönlichkeitsstörung». An klinischen Beispielen, wobei auch Fallbeispiele der Teilnehmer erwünscht sind, werden Diagnose, Struktur bzw. Dynamik, Indikation und Therapie erörtert. Theoretischen Hintergrund bilden dabei u.a. die Narzissmuskonzepte Kohuts, Kernbergs und Lacans. Den einzelnen Schritten im Therapieverlauf gilt dabei besondere Aufmerksamkeit. Ebenso werden die Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse im Mittelpunkt stehen. Neben der eigentlichen narzisstischen Persönlichkeitsstörung wird auf die besondere Selbst(-wert)problematik in weiteren Erkrankungen eingegangen (u.a. Borderlinesyndrom, Zwang, Depression, Schizophrenie). Entsprechend ist dann hier die Behandlungstechnik zu modifizieren.

Literatur
Lang H. (2000) Das Gespräch als Therapie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp
Lang H. (1998) Die Sprache und das Unbewusste. Jacques Lacans Grundlegung der Psychoanalyse. Frankfurt a.M.: Suhrkamp (4.Aufl.)
Kernberg O.F. (1999) Therapieverfahren bei Persönlichkeitsstörungen. Stuttgart: Schattauer

Termin

20.—21.09.2000

Zeit
9.00—17.00 Uhr
 
 
 

Diagnostik und Therapie von somatoformen Störungen

Wolfgang Hiller

Somatoforme (somatisierende) Patienten sind durch körperliche Symptome gekennzeichnet, die nicht oder nicht ausreichend durch medizinische Erkrankungen erklärt werden können. Aus klinischer Perspektive handelt es sich um eine schwierige Patientengruppe, da zumeist recht rigide an einem somatomedizinischen Krankheitsmodell festgehalten wird und Einsichten in psychophysiologische bzw. psychosomatische Zusammenhänge nur schwer zu vermitteln sind. Die betroffenen Patienten neigen dazu, immer wieder neue Ärzte und Spezialisten aufzusuchen und ein ausgeprägtes «doctor shopping» zu entwickeln. Diese dysfunktionalen Verhaltensweisen müssen ebenso wie emotionale und kognitive Besonderheiten in der Behandlung somatoformer Patienten berücksichtigt werden. Das Seminar gibt einen umfassenden Überblick über das diagnostische und therapeutische Vorgehen. Neben der klassifikatorischen Diagnostik wird ein Störungsmodell der somatoformen Störungen vorgestellt, aus dem direkt therapeutische Interventionen abgeleitet werden können. Das diagnostische Prozedere sowie einzelne Therapieelemente werden demonstriert und im Rollenspiel eingeübt.

Literatur
Rief W., Hiller W. (1998) Somatisierungsstörung und Hypochondrie. Göttingen: Hogrefe

Termin
23.—24.09.2000

Zeit
9.00-17.00 Uhr
 
 
 

MIPAS – ein neues verhaltensmedizinisches Patienten-Seminar-Programm für Ärzte und Psychologen

Wolf-Dieter Gerber

MIPAS ist ein Migränepatienten-Seminar, das auf der Grundlage neuerer verhaltensmedizinischer Grundlagenforschungen entwickelt wurde. Insbesondere wurden neuere Erkenntnisse ermittelt, die aufzeigen konnten, dass es sich bei der Migräne um eine Reizverarbeitungsstörung des Gehirns handelt. MIPAS ist ein Kurztherapieprogramm, das integrativ (ganzheitlich) die Bausteine Diagnostik, Beratung und Therapie einbezieht. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Reizverarbeitungstraining und einem speziellen Schmerzbewältigungstraining.
Dieses Programm soll in dem Seminar vorge-stellt bzw. eingeübt werden.

Literatur
Gerber W.-D. u.a. (1996) Born to be wild. oder doch gelernt? Neue verhaltensmedizinische Erkenntnisse zur Ätiopathogenese der Migräne. Verhaltenstherapie, 6, 210-220
Gerber W.-D. (1998) Kopfschmerz-Migräne. München: Mosaikverlag

Termin
23.—24.09.2000

Zeit
9.00—1 7.00 Uhr
 
 
 

Verhaltenstherapeutische Gruppenprogramme bei der Behandlung der Insomnie

Jutta Backhaus, Tatjana Crönlein

Schlafstörungen haben eine hohe Prävalenz und sind häufige Symptome bei verschiedenen psychischen Störungen. Bei der Behandlung von Insomnien gewinnen psychotherapeutische Verfahren zunehmend an Bedeutung. Im Gegensatz zur medikamentösen Therapie umgehen sie mögliche Nebenwirkungen und Abhängigkeitsgefahren. Besonders bei der psychophysiologischen Insomnie haben sich verhaltenstherapeutische Verfahren bewährt und werden in verschiedenen schlafmedizinischen Zentren als Einzeltherapien oder im Rahmen von strukturierten Gruppenprogrammen angeboten.
In diesem Kurs werden zunächst Grundkenntnisse der Schlafphysiologie und -psychologie vermittelt, die zur Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen notwendig sind. Anschließend wird ein Überblick über die Diagnostik und Differentialdiagnostik von Schlafstörungen (entsprechend ICD-10 und DSM-IV) und geeignete Diagnose-Instrumente gegeben. Es werden verschiedene Störungsbilder aus der Gruppe der Insomnien auf der Grundlage von schlafmedizinischen und psychologischen Forschungsergebnissen vorgestellt und anhand von Fallbeispielen illustriert. Dabei wird insbesondere auf die Psychopathologie der psychophysiologischen Insomnie eingegangen.
Anschließend werden störungsspezifische Therapiemöglichkeiten (sowohl psychotherapeutische als auch pharmakologische) für die verschiedenen Schlafstörungen aufgezeigt. Der Schwerpunkt des Kurses liegt in der Vermittlung und Einübung kognitiv-verhaltenstherapeutischer Verfahren der Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen wie Schlaf-Wach-Rhythmus-Strukturierung, Stimuluskontrolle, Schlafrestriktion, kognitiver Methoden zum Umgang mit schlafstörenden Gedanken und Gefühlen, körperliche und gedankliche Entspannungsmethoden.
Die verschiedenen verhaltenstherapeutischen Verfahren werden in ihrer Konzeption als Einzelverfahren und als Module eines Gruppenprogramms vorgestellt. Die Verfahren werden praxisnah anhand von Beispielen demonstriert, wobei auch auf Problemfälle eingegangen wird. Der Kurs schließt mit einer Diskussion über die Anwendungsmöglichkeiten der Verfahren bei verschiedenen psychiatrischen Störungsbildern mit Schlafstörungen.

Literatur
Backhaus, 1., Riemann, D. (1999): Schlafstörungen. Reihe: Fortschritte der Psychotherapie.
Hrsg. von D. Schulte, K. Grawe, K. Hahlweg, D. Vaitl. Göttingen: Hogrefe.

Backhaus, 1., Riemann, D. (1996): Schlafstörungen bewältigen. Informationen und Anleitungen zur Selbsthilfe. Weinheim: PVU.

Termin
25.—26.09.2000

Zeit
9.00-17.00 Uhr
 
 
 

Die diagnostischen Fenster in der Familientherapie

Manfred Cierpka

In der Familientherapie geht man davon aus, dass intrafamiliäre Beziehungsstörungen an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Problemen und Symptomen beteiligt sind. Um Problembereiche und die Ressourcen zu erfassen, die diese Beziehungsstörungen bedingen, greift die Familiendiagnostik auf mehrere diagnostische Fenster zurück. Nur so kann der Komplexität von Familien und Lebensgemeinschaften Rechnung getragen werden. Die Diagnostiker stellen der Familie ihre Brille zur Verfügung und damit die Konstruktionen der Therapeuten über die Familiendynamik und die Zusammenhänge mit den geschilderten Problemen. Im Seminar wird das diagnostische Vorgehen praxisorientiert mit Videobeispielen und anderen familiendynamischen Techniken dargestellt.

Literatur
Cierpka M. (1996) Hrsg: Handbuch der Familiendiagnostik. Heidelberg: Springer.

Termin
25.—26.09.2000

Zeit
9.00-17.00 Uhr
 
 
 

Koevolutive Aspekte der Paartherapie

Jürg Willi
 

Im Erwachsenenalter fordert nichts die persönliche Entwicklung so heraus wie die Paarbeziehung, nichts kann sie aber auch so behindern. Paartherapie ist wenig effizient als Scheidungsprävention, wirksam jedoch als Herausforderung der persönlichen Entwicklung. Lebenspartner kennen einander genau und sind wechselseitig von ihren persönlichen Entwicklungen betroffen. In einer koevolutiven Paartherapie werden die gegenseitigen Vorwürfe therapeutisch nutzbar gemacht. Im Seminar soll die koevolutive Fallkonzeption erarbeitet und an praktischen Fällen dargestellt werden.

Literatur
Willi J. (1997): Was hält Paare zusammen? Hamburg: rororo.

Termin
27.—28.09.2000

Zeit
9.00—17.00 Uhr
 
 
 

Kognitiv verhaltenstherapeutische Ansätze bei schizophren Erkrankten

Hans D. Brenner, Norbert Kienzle, Volker Roder

Ausgehend von Modell- und Theoriebildung und entsprechenden empirischen Untersuchungen wird ein Überblick zum aktuellen Stand psychotherapeutischer, insbesondere kognitiv verbaltenstherapeutischer Behandlungsmöglichkeiten gegeben. Dabei lassen sich vier Richtungen unterscheiden: Psychoedukative (Familien-, Angehörigen-) Therapie, bewältigungsorientierte Ansätze; Therapie sozialer Fertigkeiten und Problemlösen; Kognitive Therapie, insbesondere bei persistierender Positivsymtomatik, und Kognitives Training. Metaanalysen zur Effektivität der verschiedenen Behandlungsansätze werden vorgestellt.
Ein zweiter Seminarteil vermittelt sehr praxisbezogen die fünf Unterprogramme des Integrierten Psychologischen Therapieprogramms (IPT). Diese sind: Kognitive Differenzierung, Soziale Wahrnehmung, Verbale Kommunikation, Soziale Fertigkeiten, Interpersonelles Problemlösen. Therapeutische Vorgehensweisen und Therapiematerialien werden beispielhaft dargestellt und teilweise demonstriert. Besonders thematisiert werden Umgang, Beziehungsgestaltung und Gruppenprozesse. Einsatzmöglichkeiten, Indikationsfragen und Überlegungen zur Therapieverlaufskontrolle beenden diesen Seminarteil. Der Weiterentwicklung des IPT (u.a. zur gezielten Wohn-, Arbeits- und Freizeitrehabilitation) im Rahmen einer Nationalfond-Studie ist ein abschliessender Referatsblock gewidmet.

Literatur
Roder V., Jenull B., Brenner H.D., Heimberg D., Hirsbrunner A. (1995) Kognitive Verhaltenstherapie bei schizophren Erkrankten im Wohn-, Arbeits- und Freizeitbereich: erste Ergebnisse. Verhaltenstherapie, 5, 68-80

Roder V., Brenner H.D., Kienzle N., Hodel B. (1997) Integriertes Psychologisches Therapieprogramm (IPT) für schizophrene Patienten. Beltz, Weinheim (4. Aufl.)

Termin
27.—28.9.2000